Kunstfahrt nach Basel

Das Angebot des Böblinger Galerievereins wird längst in Sindelfingen und in Böblingen registriert. Auch bei der Kunstfahrt nach Basel waren unter den 40 Teilnehmern die Sindelfinger wieder gut vertreten.

Die Planungen von Ganztagesfahrten per Bus für einen offenen Teilnehmerkreis sind für einen Vereinsveranstalter immer aufwändig und ein finanzielles Risiko. Zudem, beim Ziel des Galerievereins, Information und das bildende Kunsterlebnis anzubieten, nicht den populären Erlebnistag. Aber Riehen und Basel bürgen so sehr für Rang und hohe Qualität, dass der Galerieverein dieses Ziel im Laufe der Jahre regelmässig mit Erfolg anbietet.

Die Jubiläumsschau der Fondation Beyeler in Dorf Riehen zum 60jährigen Bestehen der Galerie in der Basler Bäumleingasse 9 hat eine überwältigende Zugkraft, das konnten die Teilnehmer am Betrieb in und ausserhalb des architektonisch so gelungenen und anspruchsvollen Museums des Architekten Renzo Piano beobachten. Die gehandelten Bilder, die sowohl an öffentliche Museen wie an private Sammler durch die Hand von Ernst Beyeler gingen, werden auf ca. 16.000 geschätzt. Belege der Klassischen Moderne, die er zum Teil direkt und immer wieder in den Künstlerateliers auswählte - bei Picasso etwa in Paris. Nicht alle gab er in den Handel. Seit den frühen 50ern des letzten Jahrhunderts sammelte er auch selbst internationale Kunst, 180 Werke der Klassischen Moderne sollen es sein. Und so hängen sie jetzt Wand an Wand nebeneinander, die eigenen und die – meist nur jetzt einmalig öffentlich zu sehenden – für wenige Monate zurückgeholten Sammlerbilder. Da werden Vergleiche möglich: Mehrfach-Motive, Mehrfach-Fassungen.
Muss man erwähnen, dass auch die Führungen an Qualität nicht nachstehen?

Ortswechsel nach der Mittagspause: Das Museum Tinguely am Klein-Basler Rheinufer gegenüber dem Domberg war weiteres Ziel mit der derzeitigen „Sonderausstellung Max Ernst“. Auch hier ist die Architektur des Tessiners Mario Botta ein Thema für sich. Die Ausstellung selbst, eine Retrospektive, die alle Schaffensperioden und Themenkreise Max Ernsts und seiner Lebensstationen Schweiz-Frankreich-USA und wieder Frankreich belegt. Die Führungen, die folglich die Ernst´schen Themenkreise, wie Collage und Zufall, Künstler-Mythologie und figürliche Transformationen oder verborgene Sinnschichten erläuterten, waren anspruchsvoll und forderten die volle Konzentration der Teilnehmer.
Die Besonderheit dieser Ausstellung aber bildet das monumentale Wandbild der Metamorphose der Nymphe Ancolie. Entstanden war es im Jahre 1934 als phantasievoller Wandschmuck für das Züricher „Corso-Dancing“. Nach Mode und Zeitgeschmack überpinselt, landete die Wandablösung auf Tafeln schließlich glücklicherweise im Kunsthaus Zürich.
Jetzt wird die Leihgabe in Basel sozusagen im Schauatelier, der Ausstellung, restauriert und gesichert. Am Wochenende natürlich nicht – so konnten die Kunstbesucher aus dem Schwäbischen lediglich die ersten restaurierten Tafeln in der ursprünglichen farblichen Leuchtkraft vor Ort bewundern. Bis 27. Januar 2008 wird diese Ausstellung dauern, die nach dem Urteil unserer Teilnehmer eine Reise wert ist.

Ursula Kupke