Europäischer Kleinkunst-Überblick: Der Sog in den Höllenstrudel

Eines der bemerkenswertesten Kunstwerke auf der Fellbacher 11. Triennale der Kleinkunst ist einheitlich weiss, gegenständlich und überaus suggestiv: man stelle sich auf das rundum laufende Podest und beuge sich weit über eine Art Brunnenrand, von oben bis unten gespickt mit hunderten von abwärts stürzenden Menschenwesen. Die verengende Tiefenmitte erfasst einen, es ist beinahe wie ein Sog in die Tiefe. Die eigene Phantasie wird angeregt durch diese überaus empfindliche Keramikarbeit der Londoner Künstlerin Rachel Kneebones, deren Ausstellung nur möglich wurde durch die Übernahme des hohen finanziellen Transport- und Versicherungsaufwandes durch den Förderverein der Fellbacher Triennale.

Es war ein bereichernder Besuch in vielerlei Hinsicht, den sich eine überschaubare Gruppe des BÖBLINGER GALERIEVEREINS mit der Führung der Expertin Monika Will, die üblicherweise in der Staatsgalerie erläutert, durch die Schau in Fellbach leistete. Eine Tradition des Vereins, wenn auch sonst die Kuratoren selbst - vor Jahren Prof. Jean-Christophe Ammann - durch die riesige Wunderkammer in der unter eigenartigen Dachkonstruktion der Alten Fellbacher Kelter führten.

Ein Besuch in dieser Ferienzeit lohnt sich, kann man doch in der sogar mit einem eingezogenen Zwischengeschoss erweiterten Ausstellung einen Überblick über die derzeitige internationale Kunst im kleinen Format bekommen. Zumal im Weinort anschliessend noch namhafte Lokale mit einer Einkehr locken.

Die Schlussfeier der Schau ist am 2. Oktober. Dann wird auch der Publikumspreis benannt und verliehen.

Ursula Kupke